Gemacht
14.12.2017, 11:08 Uhr
Empfang für marokkanische Bildungspolitiker im Abgeordnetenhaus
Die Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Jugend und Familie, Emine Demirbüken-Wegner, empfing im Berliner Parlament eine Delegation marokkanischer Bildungspolitiker, die im Rahmen einer Seminarveranstaltung als Gäste der Konrad-Adenauer-Stiftung Berlin (KAS) Berlin besuchten. 

Seit Marokko 1956 seine Unabhängigkeit erlangt hat, blieb das  Erziehungs-  und  Ausbildungssystem  des  Landes  am französisch-zentralistischen  Vorbild  ausgerichtet.  Obwohl die meisten innenpolitischen Reformen, die in den vergangenen  zehn  Jahren  eingeleitet  und  auch  teilweise  schon umgesetzt worden sind, dem Ziel einer „fortgeschrittenen Dezentralisierung“ folgen, blieben die tradierten Strukturen des  Erziehungswesens  bisher  unverändert.  Erstmals  mit der Bildung der neuen, aktuellen Regierung im März d. J. rückte  auch  eine  strukturelle  Veränderung  in  allen  Bereichen  des  Erziehungswesens  auf  die  parlamentarische Agenda. Dies bringt sowohl substantielle Veränderungen in allen  Bereichen  des  Erziehungswesens  mit  sich  als  auch eine  erhebliche  Erweiterung  der  Verantwortung  in  den Regionen, Provinzen und Kommunen.  Die  Ankündigung  einer  sukzessiven  Dezentralisierung zahlreicher  Bereiche  im  Erziehungs-  und  Bildungswesen stellte  sowohl  die  beiden  betroffenen  Ministerien  („Ministère de l’enseignement supérieur et de la formation des cadres“ sowie das „Ministère de l’éducation nationale“) vor völlig  neue  Herausforderungen;  auch  auf  der  politischen Ebene wurde große Unsicherheit erkennbar. Bereits in den vergangenen  zehn  Jahren  wurden  in  Marokko  zahlreiche Verantwortungsbereiche  auf  die  Regionen  und  die  kommunalen Gebietskörperschaften übertragen. Dabei mangelt es  nicht  primär  an  der  Bereitschaft  der  Krone,  Entscheidungskompetenzen abzugeben, sondern vielmehr an der Bereitschaft  auf  lokaler  Ebene,  völlig  neue  Verantwortungsbereiche zu übernehmen.  Da die Region „Marrakech-Safi“ sich bereits seit mehreren Jahren eine Vorbildrolle in allen Bereichen der Dezentralisierung erworben hat, wurde ihr aktuell auch für die Sektoren des Erziehungs- und Bildungswesens eine Pilotfunktion zugesprochen. Das Büro der KAS in Marokko begleitet diesen  Prozess  der  „Régionalisation  avancée“  bereits  seit mehreren  Jahren  und hat  in Marrakech  am Aufbau  eines „Maison  de  l’Elu“  mitgewirkt,  das  –  unter  dem  Zusatz: „Acadèmie Konrad Adenauer“ – diesen Prozess unterstützt.  

Demirbüken-Wegner, selbst Voll-Mitglied der KAS, empfing die Gäste, allesamt Parlamentarier für die Region ‚Marrakech-Safi‘, im Berliner Abgeordnetenhaus zu einem Meinungsaustausch. Sie referierte zunächst über das deutsche Schulbildungssystem, erläuterte dabei die länderspezifischen Variationen und ging schließlich auf das in Berlin strukturierte Vorschul-, Schul- und Ausbildungssystem ein. Im Anschluss einer regen Diskussion traf man sich abends zu einem Essen und setzte den Meinungsaustausch fort.