Bürgersprechstunde

Die Debatte um die Nachnutzung des Geländes vom Flughafen Tegel (TXL) ist in vollem Gange. Die Änderungen zum Flächennutzungsplan liegen aus. Die Geister scheiden sich an der Mischung von Wohnen und Gewerbe, dem Rückbau von Strassen, der dramatischen Veränderung der Sportplatzanlage Scharnweberstrasse und der beispiellosen Verdichtung in der Planung neuer Wohnungen im östlichen Bereich des jetzigen Flughafengeländes. So wunderte es dann nicht, dass die Bürgersprechstunde von Emine Demirbüken-Wegner mit dem Thema „Nachnutzung TXL – Wieviel Wohnungen verträgt der Ortsteil?“ 
Bürgersprechstunde 23.03.2016Bürgersprechstunde 23.03.2016

ein Besuchermagnet von besonderer Güte war. Demirbüken-Wegner, die erneut für das Abgeordnetenhaus im Wahlkreis Reinickendorf-West kandidiert, hatte für diesen Abend hohe Fachkompetenz an Bord geholt.
Baustadtrat Martin Lambert und der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus von Berlin, Stefan Evers, standen den rund 100 Bürgerinnen und Bürgern Rede und Antwort. Lambert, der im Fachgremium für die Weiterentwicklung des TXL den Bezirk Reinickendorf vertritt, gab in einem kurzen Einführungsvortrag einen Überblick über die noch junge Historie der Nachnutzungsplanungen.

Dabei ging er insbesondere auf die aus seiner Sicht nachteiligen Veränderungen ein, die die SPD-geführte Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit der Vorlage des neuen Flächennutzungsplanentwurfes vorgestellt hat. Evers, der auch Stadtentwicklungspolitischer Sprecher der CDU im Berliner Parlament ist, erläuterte die Ansätze, die die CDU nach einer umfangreichen Bürgerbefragung bereits im Mai 2015 formuliert hatte.

Neben vielen Redebeiträgen engagierter Bürger, die sich um die bauliche Ausgewogenheit der Planungen sorgen, formulierten die anwesenden Vertreter des Reinickendorfer Sports ihr Unverständnis über die von Senator Geisel (SPD) geplante Verlegung der Sportanlage Scharnweberstrasse. „Das ist ein Stück Heimat für Tausende von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen – das kann man nicht mal so einfach zwei Kilometer weiter in die Pampa ohne Anschluß an den öffentlichen Nahverkehr verlegen!“ war der Kernsatz des Frustes. Die Bürgerdiskussion konzentrierte sich im Laufe des Abends auf die hohe Verdichtung von Wohnungen. „10.000 Menschen mehr im Kiez ohne die notwendigen Kitas, Schulen, Strassen und Grünanlagen ist Gift für den Ortsteil“, formulierte ein Mietervertreter den Groll.

Vertreter der ansässigen Geschäftstreibenden beklagten die mangelnde Weitsicht der Planungen von Senator Geisel: „Wir sind jetzt mit dem neuen Quartiersmanagement in Reinickendorf-West auf einem guten Weg – und legen mit einer undurchdachten und wenig transparenten Planung des Senates den Sprengsatz für neue Probleme im Kiez!“

Demirbüken-Wegner zog nach knapp 3 Stunden konstruktiver Diskussion das Fazit des Abends: Sie bat zum einen Baustadtrat Lambert, die bisherige Linie des Bezirksamtes unbedingt beizubehalten. Zum anderen erhielt sie von Herrn Evers die Zusicherung, in den nächsten Landesgesprächen mit der SPD die Forderungen der Anwohnerinnen und Anwohner als „Nicht verhandelbar“ durchzusetzen.