Wolfgang Schäuble: Ehrenbürger von Berlin
Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) zeichnete den 74-Jährigen am 24. Oktober im Roten Rathaus aus. Als Gast bei dieser feierlichen Zeremonie mit dabei war Emine Demirbüken-Wegner, die u.a. mit dem Kabarettisten und Theaterchef Dieter Hallervorden und Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer dem neuen Ehrenbürger von Berlin persönlich gratulierte. Die Reinickendorfer Abgeordnete ist Dr. Wolfgang Schäuble seit langem verbunden. Als Dr. Schäuble 2006, seinerzeit Bundesinnenminister im ersten Kabinett von Dr. Angela Merkel, die ersten Mitglieder der Deutschen Islam-Konferenz berief, war Demirbüken-Wegner dabei. Und auch heute sind beide gemeinsam Mitglieder im engsten Führungsgremium der Partei der Bundeskanzlerin: dem Bundespräsidium der CDU Deutschland.
Als Bundesinnenminister im Kabinett Dr. Helmut Kohl 1987-1991 verhandelte Dr. Schäuble 1990 den Einigungsvertrag zur Auflösung der DDR. 1991 setzte er sich in einer historischen Rede für den Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin ein. Es gehe nicht um einen Wettkampf zwischen zwei Städten, sagte er damals im Bundestag. "Es geht um unser aller Zukunft, um unsere Zukunft in unserem vereinten Deutschland, das seine innere Einheit erst noch finden muss." Das Symbol für Einheit, Freiheit und Demokratie in Deutschland sei wie keine andere Stadt immer Berlin gewesen. Mit hauchdünner Mehrheit beschloss der Bundestag am 20. Juni 1991, die Regierung und einen Teil der Bundesministerien vom Rhein nach Berlin zu verlagern. Schäubles Rede habe dazu einen Ausschlag gegeben, erklärte Berlins Regierungschef Michael Müller. "Wolfgang Schäuble hat sich um Berlin verdient gemacht", lobte Müller. "Dass unsere Stadt heute in aller Welt Symbol für Einheit, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit unseres Landes ist, verdankt Berlin sehr wesentlich auch Wolfgang Schäuble und der Überzeugungskraft seiner Persönlichkeit."
Schäuble sagte in seiner Dankesrede, Berlin sei mit seiner Geschichte, seiner Dynamik und seinen Problemen symbolisch für Deutschland - im Guten wie im nicht so Perfekten. "Aus diesem Grund ist Berlin die richtige Hauptstadt für unser Land." Der Badener Schäuble ist der dienstälteste Bundestagsabgeordnete in der Geschichte der Bundesrepublik. "Die Einbindung in die Einigung Europas und in das Bündnis des freien Westens hat uns Frieden und Freiheit bewahrt und die Einheit ermöglicht. Aber auch diese Solidarität der freien Welt mit der Einheit und Freiheit der Deutschen hat sich doch nirgends stärker als in Berlin ausgedrückt. Ob wir wirklich ohne Berlin heute wiedervereinigt wären? Ich glaube es nicht", sagte Schäuble damals in Bonn. Die Entscheidung für Berlin sei eine Entscheidung zur Überwindung der Teilung Europas. Am Ende stimmten 338 Abgeordnete für Berlin, 320 für Bonn, bei einer Enthaltung und einer ungültigen Stimme. Schäubles Worte sind als "Berlin-Rede" in die deutsche Geschichte eingegangen.