„Ehret die Frauen! Sie flechten und weben
Himmlische Rosen ins irdische Leben,
Flechten der Liebe beglückendes Band,
und in der Grazie züchtigem Schleier
Nähren Sie wachsam das ewige Feuer
Schöner Gefühle mit Heiliger Hand.“
Friedrich (von) Schiller 1759-1805
Mehr als 28 Jahre ist es her, dass Emine Demirbüken-Wegner als Ausländerbeauftragte im damaligen Westberliner Bezirk Schöneberg mit ihrer ersten öffentlichen Funktion in Berlin tätig wurde. So wunderte es denn nicht, dass Jutta Kaddatz, Bezirksstadträtin für Bildung, Kultur und Soziales im nun seit 2001 fusionierten Bezirk Tempelhof-Schöneberg die mit ihrer Wahl in das Abgeordnetenhaus von Berlin 2006 aus der Bezirksarbeit ausgeschiedene Politikerin als Gastrednerin zur Auftaktveranstaltung des „FrauenMärz 2017“ eingeladen hatte. Kaddatz: „Emine Demirbüken-Wegner ist Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Bildung, Jugend und Familie. Also war meine Einladung an Sie nicht nur einer kleinen bezirksgeschichtlichen Reminiszenz sondern insbesondere ihrer aktuellen politischen Verantwortung geschuldet!“ Demirbüken-Wegner in ihren erwidernden Worten dazu: „Die lange persönliche und berufliche Verbundenheit mit dem Bezirk Schöneberg, später dann Tempelhof-Schöneberg, war es, die mich nicht lange zögern ließ, als Gastrednerin zuzusagen!“
Der FrauenMärz - diese Veranstaltungsreihe, die 1986 in Tempelhof ihre Geburtsstunde hatte, wurde schnell über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt. Was aus der engagierten Zusammenarbeit von Musikschule, Volkshochschule und Bürgerinnen und Bürgern zum Thema Frauenemanzipation begann, ist eine feste Institution im Bezirk Tempelhof-Schöneberg geworden. Viele Politikerinnen, in diesem Jahr bspw. die Schulpolitikerin Hildegard Bentele (MdA) und der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Jan-Marco Luczak, sowie viele Künstler und Künstlerinnen unterstützten Jahr für Jahr die Veranstaltungsreihe FrauenMärz. Nicht nur in diesem Jahr waren die Themen frauenspezifisch und wurde die Reihe wieder von Frauen organisiert.
Die diesjährige Veranstaltungsreihe steht unter dem Motto >Mut | ter | schafft< Mutter, Mut, Mutterschaft, … Mutter schafft?!
Dazu heißt es in der Pressemitteilung des Bezirksamtes: „Welche Bilder existieren? Welche Bilder werden gelebt? Junge Frauen in der Wirklichkeit. Seit den 70er Jahren erreicht die Frauenbewegung soziale Umbrüche, die die Perspektive auf Frausein und Mutterschaft verändern: Traditionelle weibliche Rollenvorstellungen werden demontiert, Themen wie Schwangerschaft und Geburt enttabuisiert, den Frauen gelingt der Zutritt zu männlichen Sphären. Heute sieht sich die moderne Frau vor einen neuen Identitätskonflikt gestellt: Sie muss dem Modell der fürsorglichen Mutter entsprechen, zugleich soll sie selbstbestimmt und finanziell unabhängig sein.“
In ihrer Rede konzentrierte sich die ehemalige Staatssekretärin insbesondere auf die eigentlich im gesellschaftlichen Konsens beschlossene 'Wahlfreiheit', in der sich die Frauen in unserer Gesellschaft befinden. „Ich bin froh, Bürgerin eines Landes zu sein, in dem unterschiedliche Lebensentwürfe, Familienmodelle und Meinungen gelebt werden können. Das ist ein Wert an sich, der meiner Meinung nach leider allzu oft in den Hintergrund gedrängt wird in den mitunter sehr hitzig geführten Debatten um Frauen- und Mutterbilder. Mir fehlt dabei zu oft das Schlüsselwort Wahlfreiheit und schlussendlich dessen wirkliche Akzeptanz.“ Und so zitierte sie dann die deutsche Autorin Birgit Kelle, die in der Tageszeitung 'Die Welt' am 1. September 2013 schrieb: “Ich wurde also Mutter, und zum ersten Mal in meinem Leben musste ich mich für eine Entscheidung als Frau rechtfertigen. Mein freier Wille reichte als Argument nicht mehr aus. Ich fand mich plötzlich in der “Heimchen am Herd” - Ecke wieder, zu der ich mich selbst vorher nie gezählt hätte...unterdrückt, unglücklich, unemanzipiert...jemand, der sich bequem vom Mann aushalten lässt... Was ich nicht mehr hören kann, ist die pauschale Diffamierung, dass Frau zu Hause nichts wert ist. Eine Beleidigung, die salonfähig geworden ist....”.
Demirbüken-Wegner abschließend: „Leider sind solche Erfahrungen kein Einzelfall. Sie zeigen zudem, dass wir das eigentlich auf gesellschaftlichem Konsens beruhende Postulat der Wahlfreiheit immer noch nicht genügend ernst nehmen. Akzeptanz und Anerkennung desselben müssen deshalb die Diskussionen gerade im Hinblick auf Mutterschaft, Karriere und Beruf prägen, um den unterschiedlichen Lebensentwürfen gerecht zu werden. Dass sich dafür unsere gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in den letzten 20 Jahren entscheidend weiter entwickelt haben, darin werden Sie mir sicherlich zustimmen und ebenso, dass die Umsetzung der Wahlfreiheit mit ganz oben auf der politischen Agenda stehen bleiben muss!“
Das Programm des Abends wurde moderiert von der bekannten Berliner Moderatorin Petra Schwartz. Die zahlreichen Gäste erfreuten sich an den Darbietungen der Mitglieder des Theaterkollektivs Berlocken mit Ausschnitten aus deren Programm „Hoch-Zeit-Performance“, an Hilde Kappes -einer Ausnahme-Künstlerin im Bereich Stimm- und Musik-Performance- und an Andrea Bongers, die als Kabarettistin, Sängerin und vor allen Dingen Puppenspielerin deutschlandweit bekannt ist.