Hermann Schulz lebte von 1890 bis 1942 in unserer Stadt. Bis 1933 war er Schulleiter der seinerzeit im Gebäude der heutigen Max-Beckmann-Oberschule (MBO) beheimateten 8. Volksschule Berlin-Reinickendorf.
Am 28. April 2017 ehrten Schüler, Lehrer, Elternvertreter und Offizielle den im Jahr 1942 von den Nazis ermordeten engagierten Pädagogen in einem kleinen Festakt.
„In den 20er Jahren richtete die Stadtverwaltung Berlin etwa 60 moderne Schulen im aufklärerischen Geist der Weimarer Republik und der Reformpädagogik ein. Zu diesen sogenannten 'weltlichen' Schulen gehörte auch die 8. Volksschule in der Auguste-Viktoria-Allee. Das Kollegium war stark geprägt von den Ideen des 'Bundes entschiedener Schulreformer', einer der entschiedensten Verfechter war Hermann Schulz. Zu diesen Ideen gehörten u.a. die Bildung einer differenzierten Einheitsschule mit Pflicht- und Wahlbereichen und die Betonung produktiver Arbeit."
(Quelle: Homepage MBO)
Hermann Schulz, der wie zu dieser Zeit der spätere Regierende Bürgermeister von Berlin, Bundesaußenminister und Bundeskanzler Willy Brandt der Weimarer Sozialistischen Arbeiterpartei (SdAP) angehörte, wurde 1933 aus dem Schuldienst entlassen und blieb lange arbeitslos. Er war im Widerstand gegen den Nationalsozialismus u.a. durch das Herstellen und Verteilen von Flugblättern aktiv und im ständigen Kontakt mit Gleichgesinnten.
Am Abend des 10.10.1942 wurde er von der Gestapo in seiner Wohnung verhaftet und bei den nachfolgenden Verhören misshandelt. Am 9.11. bekam seine Frau Ellen ihn noch einmal im Gestapo-Hausgefängnis zu sehen, wurde selbst kurzzeitig festgenommen und misshandelt. Am 12.11.1942 erhielt sie eine kurze schriftliche Mitteilung, dass ihr Mann sich zwei Tage zuvor durch den Sturz in einen Lichtschacht im Polizeipräsidium das Leben genommen habe. Schulz ist begraben auf dem Friedhof Reinickendorf II, Humboldtstraße 74-90, Abt. 10, Reihe 10.
Am Freitag, den 28.04.2017, wurde in Anwesenheit der Wahlkreisabgeordneten Emine Demirbüken-Wegner sowie weiterer Vertreter der Bezirksverordnetenversammlung Reinickendorf die Gedenkstelle zu Ehren des ehemaligen Schulleiters Herrmann Schulz eingeweiht. Dazu wurde eine Texttafel enthüllt, die ein Oberstufenkurs erstellt hat. Anlass ist, dass die MBO ca. 40 ehemalige Schülerinnen und Schüler zu Gast hatte, die vor 60 Jahren eingeschult wurden.
An der Ehrung nahm der die Gedenkstätte gestaltende Oberstufenkurs, eine kleine Abordnung aus der benachbarten Herrmann-Schulz-Grundschule, Mitglieder des Lehrerkollegiums und Elternvertreter teil. Es war eine kleine, beinahe schulinterne Veranstaltung, die in tiefem Ernst und Gedenken an einen mit Zivilcourage und politischem Scharfsinn versehenen Bürger Reinickendorfs auch mit einer bewegenden Schülerrede erinnerte.