Empfang für marokkanische Bildungspolitiker im Abgeordnetenhaus
Seit Marokko 1956 seine Unabhängigkeit erlangt hat, blieb das Erziehungs- und Ausbildungssystem des Landes am französisch-zentralistischen Vorbild ausgerichtet. Obwohl die meisten innenpolitischen Reformen, die in den vergangenen zehn Jahren eingeleitet und auch teilweise schon umgesetzt worden sind, dem Ziel einer „fortgeschrittenen Dezentralisierung“ folgen, blieben die tradierten Strukturen des Erziehungswesens bisher unverändert. Erstmals mit der Bildung der neuen, aktuellen Regierung im März d. J. rückte auch eine strukturelle Veränderung in allen Bereichen des Erziehungswesens auf die parlamentarische Agenda. Dies bringt sowohl substantielle Veränderungen in allen Bereichen des Erziehungswesens mit sich als auch eine erhebliche Erweiterung der Verantwortung in den Regionen, Provinzen und Kommunen. Die Ankündigung einer sukzessiven Dezentralisierung zahlreicher Bereiche im Erziehungs- und Bildungswesen stellte sowohl die beiden betroffenen Ministerien („Ministère de l’enseignement supérieur et de la formation des cadres“ sowie das „Ministère de l’éducation nationale“) vor völlig neue Herausforderungen; auch auf der politischen Ebene wurde große Unsicherheit erkennbar. Bereits in den vergangenen zehn Jahren wurden in Marokko zahlreiche Verantwortungsbereiche auf die Regionen und die kommunalen Gebietskörperschaften übertragen. Dabei mangelt es nicht primär an der Bereitschaft der Krone, Entscheidungskompetenzen abzugeben, sondern vielmehr an der Bereitschaft auf lokaler Ebene, völlig neue Verantwortungsbereiche zu übernehmen. Da die Region „Marrakech-Safi“ sich bereits seit mehreren Jahren eine Vorbildrolle in allen Bereichen der Dezentralisierung erworben hat, wurde ihr aktuell auch für die Sektoren des Erziehungs- und Bildungswesens eine Pilotfunktion zugesprochen. Das Büro der KAS in Marokko begleitet diesen Prozess der „Régionalisation avancée“ bereits seit mehreren Jahren und hat in Marrakech am Aufbau eines „Maison de l’Elu“ mitgewirkt, das – unter dem Zusatz: „Acadèmie Konrad Adenauer“ – diesen Prozess unterstützt.
Demirbüken-Wegner, selbst Voll-Mitglied der KAS, empfing die Gäste, allesamt Parlamentarier für die Region ‚Marrakech-Safi‘, im Berliner Abgeordnetenhaus zu einem Meinungsaustausch. Sie referierte zunächst über das deutsche Schulbildungssystem, erläuterte dabei die länderspezifischen Variationen und ging schließlich auf das in Berlin strukturierte Vorschul-, Schul- und Ausbildungssystem ein. Im Anschluss einer regen Diskussion traf man sich abends zu einem Essen und setzte den Meinungsaustausch fort.