100 Jahre blühende Nachbarschaft – Jubiläum bei Blumenthal
Am 01. November 1919 wurde im Altbau General-Barby-Strasse 5 ein kleines Blumengeschäft von Adolph Linke eröffnet. 1925 zog Linke in das frisch errichtete neue und größere Geschäft in die Scharnweberstrasse 49. Die 1907 gegründete Charlottenburger Baugenossenschaft hatte zwischen Auguste-Viktoria-Allee und Scharnweberstrasse eine neue großzügige Wohnungsanlage errichtet, in der Geschäfte für den täglichen Bedarf sich zu guten Konditionen ansiedeln konnten.
Adolf Linke nutzte diese Gelegenheit und expandierte, im Innenhof der Wohnsiedlung entstand eine Gewächshausanlage. Als er 1956 verstarb, stand seine Tochter Thea bereit, zusammen mit ihrer Mutter Erna das Geschäft fortzuführen. Linke & Blumenthal, das war seit den 1960er Jahren ein Qualitätsbegriff für Reinickendorfer Blumenkunst, zeichnete doch die beiden Inhaberinnen eine hohe Kommunikationskraft aus. So erweiterten sich das Angebot und die Tätigkeitsbereiche des mittelständischen Betriebes. Bis zu 10 Mitarbeiter fanden dort schließlich ihren Arbeitsplatz. 1988 übernahm der Enkel des Firmengründers, Helge Blumenthal, das Geschäft.
„Wie das eben so ist. Ich bin im Betrieb aufgewachsen. Während Schulkameraden spielten, bin ich durch unsere Gewächshäuser gelaufen und habe gegraben, gepflanzt, gedüngt und gewässert. Wenn mein Vater früh um 4 Uhr zum Blumenmarkt fuhr, war ich immer mehr mit dabei. Und nach der Schule wurden Blumen geschnitten, Sträuße gebunden, später dann fuhr ich die Blumenbestellungen aus. So lag es eigentlich ganz nahe, dass ich dieses Handwerk erlernte.“ Die Tradition hoher Floristenkunst führte er nahtlos weiter. Königin Silvia von Schweden stand mit einem Blumenbouquet genauso da wie andere Gäste des Auswärtigen Amtes in der Bundeshauptstadt. Dass Helge Blumenthal sein Geschäft mit Herz führt, erfährt der aufmerksame Kunde spätestens dann, wenn dessen Blumenwunsch in etwas modifiziertere Bahnen gelenkt wird. „Wissen Sie, Blumen gibt’s heute überall. Discounter, Ketten, Tankstellen… aber die Fachberatung fehlt! Preislich bekommt der Kunde die Ware woanders durchaus billiger. Aber Blumen verschenken, diese sich selbst hinstellen, das ist wie Modeberatung, das ist wie Typ-Styling – und dies gibt’s eben nicht auf Billigbasis.“ Fünf Jahre will Blumenthal zusammen mit seiner Kollegin Martina Schrade noch weiter machen. „Rente mit 75… das wird’s wohl bei mir werden.“, lästert er über sich selbst und setzt dieses verschmitzte Lächeln auf, das seine Kunden so mögen.